07.06.2018

LSWB-Schatzmeister Andreas L. Huber

Zeuge sein!

Bericht aus dem Präsidium

Von Andreas L. Huber

Einszweidrei, im Sauseschritt Läuft die Zeit; wir laufen mit. –
Wilhelm Busch, „unerkannter Verfasser des 1. Berufsgrundsatzes“

Ja, ja, die Zeit vergeht, und mit ihr schwindet, allmählich und auch allmächtig, die Erinnerung! Was ist schon die eigene Erinnerung – schon die vorhandene Realität wird, weil es einfacher ist und weil es ja eben nicht anders geht (einszweidrei …, siehe oben!), nur in einigen Aspekten wahrgenommen und gespeichert. Oft überleben nur die optischen Eindrücke und einige Bilder. Allerdings schwindet auch hier im Zeitablauf (im Sauseschritt) der Zugriff auf das Bild, die Zuordnung löst sich, mit der Zeit geht vieles verloren, wird verlegt, wird vergessen. Wir kennen das.

Das Vergessen kann Gnade sein (z. B. im Internet!), es kann allerdings ganz schrecklich sein, wenn es darum geht, eine erforderliche Realität beweisen zu können, sei es aus steuerlichen Gründen, sei es, um sich Recht oder Vermögen im Streit zu erhalten.

Was hier seit Urzeiten subsidiär hilft und helfen kann: Der Zeuge!

Der Zeuge kann zum Zeugnis „herbei gezogen“ werden (so die Wortbedeutung) vor Gericht. Der Zeuge wird gerne zum Zeugnis herangezogen, um zu testieren, denn er verfügt über wertvolle Informationen.

Steuerberater, vereidigte Buchprüfer, Wirtschaftsprüfer waren immer schon Zeugen des wirtschaftlichen Geschehens – im Rahmen ihrer Berufsausübung, als Sachverständige und auch vor Gericht.

Besondere Bedeutung erhält ihre berufliche Kompetenz mit der zunehmenden Digitalisierung, die alle Bereiche der Wirtschaft durchdringt. Das gewachsene Vertrauen in die Kollegen wird im beruflichen Alltag laufend (siehe oben: einszweidrei …) überprüft. Du und ich, Unternehmer, Geschäftsführer, Vorstände, Gesellschafter, Aktionäre, Kreditinstitute, nicht zuletzt die Finanzbehörden und Gerichte trauen alle weitgehend der Kompetenz der Berufsträger und ihren Angaben zur Rechnungslegung1.

In allen Bereichen reicht dieses wertvolle Vertrauen weit über die erwartete Einhaltung steuerlicher Vorschriften hinaus. Besser: Es gründet bereits auf der (zu-)gesicherten Erfassung der wirtschaftlichen Realität, den hierzu bereit gehaltenen (lückenlosen) Nachweisen, auf einer regelkonformen Umsetzung der Daten in Zahlen und einer entsprechenden Verarbeitung und Speicherung im Prozess der Rechnungslegung.

Steuerberater, vereidigte Buchprüfer, Wirtschaftsprüfer sind jetzt schon Zeugen der Rechnungslegung2!

Mit der fortgesetzten Digitalisierung wird sich vieles ändern. „Selbstbuchende Systeme“ führen zu modifizierten Prozessen der Rechnungslegung, EDV-Expertensysteme begleiten die Buchung der Umsatzerlöse, die Kommunikation unterschiedlicher EDV-Systemsoftware wird Alltag. Anforderungen in der Datensicherung und jetzt beim Datenschutz führen zu neuen Organisationsstrukturen bei den Kunden und den Kollegen im Berufsstand selbst.

Die beruflichen Notwendigkeiten erfordern eine modifizierte Außendarstellung des Berufs, insbesondere im Zeitalter des Vorwurfs von „fake news“. Der Steuerberater, vereidigte Buchprüfer, Wirtschaftsprüfer ist nicht nur Steuerexperte oder Abschlussprüfer (WP), er ist im Bereich der Wirtschaft der umfassend tätige Rechnungslegungsexperte3, der mit einer Vielzahl von Dienstleistungen bei der Erfassung, Verarbeitung, Speicherung sowie auch bei Auswertung und Gestaltung ökonomischer Realitäten als unabhängiger Experte bereitsteht. Fehlt es uns hier manchmal an dem angemessenen Selbstbewußtsein?

Neue Geschäftsfelder mit Bedarf an professioneller Rechnungslegung, weitgehend außerhalb steuerlicher Anforderungen, sind gegenwärtig der Umwelt- und Sozialbereich sowie viele Bereiche der öffentlichen Verwaltung.

Das besondere Vertrauen an die Zuverlässigkeit dieser Berufe wird durch die Regeln zur „compliance“ weiter gestärkt. Als unabhängiger Rechnungslegungsexperte ist der Berufskollege zuverlässiger Garant und Zeuge, dass eine professionelle regelkonforme Datenerhebung und -verarbeitung für die angefragten Rechnungslegungszwecke stattfindet. Wollen wir uns in der Außendarstellung allein auf die Steuerkompetenz beschränken?

Was bleibt zu tun? In den gegenwärtigen Regeln zur Berufsausübung (und auch in der Honorarordnung) finden sich die umfassenden Rechnungslegungsaufgaben und die neuen zusätzlichen gesetzlichen Anforderungen meiner Ansicht nach nicht ausreichend geregelt vor.

Mit der Geltung von Geldwäschegesetz und Datenschutzgrundverordnung sind die Kammern und Verbände aufgerufen, sich unverzüglich für Strukturanpassungen bei den geltenden Rahmenbedingungen der Berufsausübung einzusetzen. Im Honorarbereich (StBVV) wären vorab folgende Maßnahmen überlegenswert und hilfreich, z. B. die kompakte Vorgabe

  • einer Identifizierungspauschale nach dem Geldwäschegesetz für die Identifikation von natürlichen und juristischen Personen,
  • eines Zertifizierungsentgelts für die regelkonforme Belegerfassung und -wiedergabe,
  • eines Speicherentgelts für die Bereithaltung der Daten, der Belegkopien sowie der Verarbeitungsergebnisse,
  • eines Löschungsentgelts für die gebotene Löschung von Belegkopien, Daten und Verarbeitungsergebnissen,
  • eines Übertragungsentgelts für die gesetzlich gebotene oder auf Anforderung vollzogene Übermittlung von Daten, Belegkopien, Verarbeitungsergebnissen.

Mit den neuen rechtlichen Verpflichtungen ist zusätzlicher Bürokratieaufwand in den Kanzleien entstanden, er wird auch weiter entstehen. Nach der „in Fleisch und Blut“ der Kollegen eingegangenen sogenannten wirtschaftlichen Betrachtungsweise geht es darum, diesen Aufwand, insbesondere aktuell die Auswirkungen von Geldwäschegesetz und Datenschutzgrundverordnung, zu antizipieren und rasch den aktuellen Mehraufwand nachhaltig angemessen einzupreisen.

Nur dann kann der Berufsstand weiterhin erfolgreich unabhängiger Zeuge in wirtschaftlichen Angelegenheiten sein.

Wenn das nicht schnell klappen sollte, so steht zu befürchten, dass für viele Kollegen dann der umgekehrte 1. Berufsgrundsatz gilt:

Einszweidrei, im Sauseschritt
Läuft die Zeit; wir laufen nicht (länger) mit.

________________

1 Auch der Schatzmeister dieses Verbandes hofft, zusammen mit den bestellten Rechnungsprüfern, auf eine vertrauensvolle Würdigung des in diesem Heft vorgelegten Jahresabschlusses zum 31. Dezember 2017!

2 Allerdings erhalten sie im Regelfall nur für einen Teilaspekt, die steuerliche Erstellungsleistung, oder für das Abschlusstestat, die Vergütung. Die weitreichenden und wesentlichen wirtschaftlichen Informationen werden quasi gratis mitgeliefert!

3 schön und allgemein in Französisch bezeichnet: „expert-comptable“

« Zurück

Kunden-Account
Bitte loggen Sie sich ein, um Vollzugriff zu erhalten.

LSWB Top-Themen

immer aktuell

Seite
1 2345678910... »
97 Treffer


Seite
1 2345678910... »