03.06.2019

Gelebtes Mentorenkonzept in der Kanzlei von Sabine Kastner

Wie unterschiedliche Generationen voneinander profitieren können

Mentorenkonzept unterstützt bei der Digitalisierung

Von Sabine Kastner, LSWB-Vorstandsmitglied

Die fortschreitende Digitalisierung der Arbeitswelt ist gerade für mittelständische Unternehmen ein zweischneidiges Schwert. Einerseits besitzt sie enormes Potenzial im Hinblick auf Effizienzsteigerung, Kostensenkung und Innovation, auf der anderen Seite birgt sie jedoch Gefahren insbesondere für das zwischenmenschliche Miteinander in einem Arbeitsumfeld mit heterogenen Altersstrukturen.

Derzeit setzt sich die Arbeitswelt hauptsächlich aus vier Altersgruppen zusammen: den „Babyboomern“ (50/60er Jahre) sowie den Generationen „X“ (70/80er Jahre), „Y“ (90er Jahre) und „Z“ (ab 2000 Geborene). Die Einteilung nach exakten Geburtsjahren ist umstritten, es lässt sich aber zumindest folgende grobe Einordnung treffen: Die Babyboomer sind in einem rein analogen Umfeld aufgewachsen und haben oft keinen oder wenig Bezug zu digitalen Themen. Ähnlich verhält es sich mit der Generation X, die aber zumindest offener im Umgang mit digitalen Medien ist. Die Generation Y hat den Aufstieg des Internets in ihrer Jugend voll miterlebt und ist daher wesentlich online-affiner. Die Generation Z ist vollständig in der digitalisierten Gesellschaft aufgewachsen und hat dementsprechend eine sehr hohe Kompetenz im Umgang mit neuen Medien und insbesondere auch mit digitalisierten Arbeitsabläufen.

Das Problem liegt auf der Hand: Die Babyboomer und zum Teil auch die Generation X fühlen sich oft abgehängt aufgrund des scheinbar uneinholbaren Vorsprungs der jüngeren Generationen in Sachen neuen Medien, neuen Arbeitsmechanismen und anderen Aspekten der Digitalisierung.

Dieser Zustand sollte nicht verharmlost werden, denn er kann eine negative Dynamik für das Teamgefüge entwickeln: Ältere Mitarbeiter rümpfen die Nase über „das ganze neue Zeugs“ und wünschen sich in die analoge Vergangenheit zurück, während die Jüngeren die Probleme der Älteren mit der Digitalisierung belächeln. Dies kann auf Dauer zu schlechter Stimmung und Grüppchenbildung innerhalb eines Teams führen und somit letztlich auch zu einer niedrigeren Arbeitsleistung des gesamten Teams. Um einen solchen Missstand zu vermeiden, muss eine Lösung gefunden werden, in der sich alle Altersgruppen auf Augenhöhe begegnen und sich gleichermaßen geschätzt fühlen.

Ein Ansatz hierfür ist ein (zweiseitiges) Mentorenkonzept, in dessen Rahmen sich Arbeitnehmer gegenseitig unterstützen und voneinander lernen können. So wird jedem Arbeitnehmer der Babyboomer- und X-Generation ein Kollege aus der Generation Y oder Generation Z zugeordnet.

Beispielsweise kann ein Babyboomer beim täglichen Umgang mit digitalen Themen von einem jüngeren Mentor der Generation Y unterstützt werden, dem der Umgang mit digitalen Medien naturgemäß wesentlich leichter fällt. Dieser Weg ist deutlich erfolgsversprechender und effizienter als beispielsweise das Lesen ellenlanger Handbücher oder das Ansehen zahlloser YouTube-Tutorials, da der jüngere Arbeitnehmer oft ohne unnötige Umwege und Zwischenschritte den erforderlichen Lösungsweg wird aufzeigen können.

Das Mentorenkonzept soll dabei aber keineswegs nur einseitig von Jung zu Alt verlaufen. Vielmehr sollen die Jüngeren im Gegenzug vom Erfahrungsschatz und Wissen der Älteren profitieren. Des Weiteren kann die Skepsis der älteren Arbeitnehmer im Umgang mit digitalen Prozessen auch in positiver Weise auf die jüngeren Arbeitnehmer wirken. Diese gehen wegen ihrer geringeren Berührungsängste viel zu oft ohne die gebotene Distanz im digitalen Bereich vor, geben eigene Daten frei, ohne dies zu hinterfragen und vertrauen der Technik blindlings. Der etwas kritischere Blickwinkel der Älteren in Bezug auf digitale Abläufe kann also auch für die jüngeren Arbeitnehmer sehr nützlich und hilfreich sein.

Letztlich entsteht durch das Mentorenkonzept eine Win-Win-Situation, die nebenbei sowohl ein besseres Miteinander als auch eine stärkere Vertrauensbasis zwischen Arbeitnehmern schafft: Ein besseres Arbeitsklima und höhere Motivation sind die Folge. Es bietet somit einen vielversprechenden und lösungsorientierten Ansatz, mit den Herausforderungen der Digitalisierung und eines vielschichtigen Arbeitnehmerumfelds umzugehen.

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