22.08.2019

Harald Elster, Präsident des DStV (Foto: DStV e. V.); Steuerberater als Coaches für die perfekte Stabübergabe

Beratungsqualität und die richtige Strategie bestimmen den Kanzleierfolg

Wandel als Herausforderung

Von Harald Elster, Präsident des DStV e.V.

Der Bereich der Steuerberatung unterliegt seit jeher einem permanenten Wandel. Nicht nur die steuerlichen, sondern auch die wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Bedingungen ändern sich ständig. Zudem bestimmt die Digitalisierung den Alltag in immer stärkerem Ausmaß. Damit die Angehörigen der steuerberatenden und prüfenden Berufe auch weiterhin erfolgreich bleiben und ihren beruflichen Erfolg nachhaltig sichern können, müssen sie sich diesen Herausforderungen stellen und die richtigen Antworten auf die anstehenden Veränderungen finden.

Nur diejenigen Berater, die dies rechtzeitig erkennen, werden ihre Mandanten vorausschauend und mit der nötigen Umsicht beraten und damit im Ergebnis ihren eigenen beruflichen Erfolg auch künftig weiterhin sichern können. Eine Antwort auf den stetigen Wandel bietet die Entwicklung einer individuellen Kanzleistrategie, mit der die hohe fachliche Qualität in der Beratung praxisgerecht gewährleistet werden kann. Die nachfolgenden Beispiele aus der Praxis sollen dies verdeutlichen.

(Steuer-)rechtliche Entwicklungen im Blick behalten

Im Steuerrecht wird es aus heutiger Sicht zumindest zu grundlegenden Reformen mit vereinfachender Wirkung, so wünschenswert sie sicherlich wären, auch zukünftig eher kaum kommen. Mit Blick auf die gleichwohl unverändert hohe Zahl steuerrechtlicher Änderungen, die jährlich ihre Wirkung entfalten, ist es für die Berufsangehörigen gleichwohl praktisch nahezu unmöglich, den Mandanten mit dem einmal erlangten Wissen im materiellen Steuerrecht zugleich eine dauerhafte Planungssicherheit zu bieten. Wichtig ist es daher, dafür Sorge zu tragen, dass sich sowohl die Berufsträger selbst als auch die übrigen Kanzleimitarbeiter regelmäßig fortbilden, um ihr fachliches Wissen auf dem neuesten Stand zu halten. Denn der Wandel bei einer Vielzahl von Regelungen im Detail, der bereits im nationalen Steuerrecht ungebremst ist, setzt sich auch auf internationaler Ebene entsprechend fort.

Dies führt einerseits zwar dazu, dass auch in Zukunft ausreichend Bedarf nach einer qualifizierten steuerlichen Beratung bestehen wird. Andererseits bedeutet dies aber auch eine erhebliche Belastung und Risikoabwälzung für bzw. auf die Mandanten und die Berufsangehörigen. Für die Positionierung der eigenen Kanzlei ist es daher heute mehr denn je unerlässlich, in das eigene Wissen und das seiner Mitarbeiter zu investieren und strategisch ein kanzleiinternes Wissensmanagement zu betreiben. Nur so kann der Berater die Beständigkeit in der Beratungsqualität gewährleisten, die der Mandant zu Recht von ihm erwartet.

Betriebswirtschaftliche Beratungsangebote ausbauen

In den vergangenen Jahren ist das Berufsbild des Steuerberaters zunehmend vielschichtiger und komplexer ge-
worden. Die Erwartungshaltung der Mandanten an „ihren“ Berater wandelt sich dabei zunehmend. In der Folge beschränkt sich das Aufgabengebiet des Steuerberaters heute längst nicht mehr allein auf die Bearbeitung der Steuererklärung, die Buchhaltung und die Erstellung der Jahresabschlüsse.

Hinzu kommen immer mehr auch betriebswirtschaftliche und strategische Beratungsleistungen. Diese betreffen Investitions- und Personalentscheidungen, Fragen zur Finanzierung und in diesem Zusammenhang aufzustellende Planungsrechnungen und Liquiditätsübersichten bis hin zur Unterstützung bei der Erarbeitung von Kalkulationsgrundlagen für die Angebotsbearbeitung. In diesem Rahmen gewinnen auch Fragen der Digitalisierung eine immer größere Bedeutung. Viele Mandanten profitierten etwa davon, dass ihre Berater mit IT-Unterstützung beispielsweise aus den betrieblichen Unternehmenszahlen schnelle und greifbare Handlungsempfehlungen entwickeln.

Deshalb ist es nicht mehr ausreichend, dass der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sich nur als Steuerfachmann betrachtet. Hier ist der Wandel deutlich spürbar. Die Kanzleien müssen sich deshalb mehr und mehr als „Coaches“ der von ihnen betreuten Unternehmen verstehen – mit deren wirtschaftlichem Erfolg als gemeinsames Ziel.

Mit Blick darauf haben auch die Fortbildungseinrichtungen und Akademien der DStV-Mitgliedsverbände sowie das Deutsche Steuerberaterinstitut (DStI) ihre Angebote in den letzten Jahren spürbar ausgeweitet. Einen wichtigen Beitrag hierzu leistet in diesem Kontext auch das Fachberaterkonzept des DStV. Es orientiert sich an den positiven Erfahrungen der Rechtsanwälte mit den Fachanwaltschaften und ermöglicht Steuerberatern, sich in den klassischen Feldern der betriebswirtschaftlichen Beratung etwa zum Fachberater für Unternehmensnachfolge (DStV e. V.), zum Fachberater für Restrukturierung und Unternehmensplanung (DStV e. V.) oder zum Fachberater für Controlling und Finanzwirtschaft (DStV e. V.) weiter zu qualifizieren. Das Fachberaterkonzept des DStV hat sich bereits innerhalb weniger Jahre erfolgreich etabliert und ist damit ein eindrucksvoller Beleg für die Beständigkeit und die Zukunftsgewandtheit des Berufsstands gleichermaßen – dies insbesondere mit Blick auf die Zahl von mittlerweile rund 2.400 anerkannten Fachberatern (DStV e. V.) zum 30.6.2019.

Generationswechsel beim Mandanten begleiten

Für viele vor allem kleine und mittelständische Unternehmen ist der Steuerberater häufig der erste Ansprechpartner und wird als engster Vertrauter gesehen. Denn er steht in ständigem Dialog mit den Unternehmern und kennt aufgrund der häufig langjährigen Beziehungen „seine“ Unternehmen so gut wie kaum ein anderer. Oft wird er deswegen auch bei Fragen abseits der reinen steuerlichen Beratung zuerst um Rat gefragt.

Dies betrifft beispielsweise auch die Frage nach der Auswahl eines geeigneten Nachfolgers, wenn der bisherige Inhaber in den Ruhestand gehen und sein Unternehmen auch in Zukunft in guten Händen wissen möchte. Aufgrund der demografischen Entwicklung in Deutschland und in Europa steht heute in vielen Mandantenunternehmen ein solcher Generationswechsel an. Der Berater sollte hier allerdings im Blick halten, dass auch eine langjährige erfolgreiche Beratung der bisherigen Unternehmensleitung allein nicht die Gewähr dafür bieten kann, dass dieses Vertrauensverhältnis auch zur neuen Führung quasi automatisch unverändert fortbesteht. Der Berater sollte daher sein Augenmerk auch darauf richten, in Zeiten des Generationswechsels die Bindung zu den bisher betreuten Unternehmen nicht zu verlieren.

Daher wird es nicht allein zu seinen Aufgaben gehören können, einen geordneten Nachfolgeprozess unter Einbindung der Vertreter der jüngeren und der älteren Generation fachlich zu begleiten. Genauso wichtig ist es, nach dem erfolgreichen Wechsel die neuen Führungspersonen für eine weitere Zusammenarbeit mit der Kanzlei zu gewinnen. Beständigkeit ist auch hier ein Faktor, der im Wettbewerb mit anderen von Nutzen sein kann. In diesem Zusammenhang kann es sich beispielsweise empfehlen, für die neue Unternehmensleitung besondere Beratungspakete bereit zu halten, zum Beispiel zum Vermögensaufbau und zur privaten Altersvorsorge. Auch wird es in Zukunft eine stärkere Verbindung von steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Gesichtspunkten bei der privaten Risikovorsorge geben. Die richtige Strategie und eine qualitativ hochwertige Beratung kann auch hier den Kanzleierfolg langfristig sichern.

Fazit

Steuerberatungskanzleien ist heute mehr denn je zu empfehlen, die eigene Entwicklung von vorneherein strategisch zu planen. Dabei muss die Frage im Mittelpunkt stehen, wie die Kanzlei langfristig erfolgreich am Markt tätig sein kann und wie sie zu diesem Zwecke ein eigenes Profil entwickeln kann. Neben dem erforderlichen steuerlichen Fachwissen sind dazu auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse und unternehmerisches Denken erforderlich. Nur so kann die eigene Kanzlei auch in Zeiten des Wandels als qualifizierter Berater und Impulsgeber für die Mandanten und zugleich als attraktiver Arbeitgeber am Markt erfolgreich sein.

Information

Restrukturierung, Unternehmensnachfolge, Testamentsvollstreckung – Mandanten fragen heute weit mehr als die klassische Beratung in steuerlichen Angelegenheiten nach. Immer häufiger treten Steuerberater dadurch in Wettbewerb mit anderen Berufsgruppen. Die Spezialisierung als Fachberater ist eine intelligente Strategie, um sich mit klarem Profil am Markt zu positionieren.

Einen Überblick über die möglichen Spezialisierungen zum Fachberater (DStV e. V.) sowie Informationen über die demnächst startenden Lehrgänge finden Sie unter: fachberater-werden.de

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Foto: cirquedesprit/adobe stock

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