14.12.2019

Ein starkes Netzwerk: Die Initiative Nachhaltige Steuerkanzlei trifft sich regelmäßig.

Wie sich Ökonomie und Ökologie ergänzen

„Grün“ rechnet sich – auch in der Bilanz!

Von Beatrix Fuchs, Steuerberaterin in München und Daniela Zehentbauer, Bera. Steuerkanz. Dieter Pfab

Der Landesverband der steuerberatenden und wirtschaftsprüfenden Berufe in Bayern e. V. (LSWB) hat mit der Initiative „Nachhaltige Steuerkanzlei“ ein Projekt für die strategische Neuausrichtung der Steuerkanzleien geschaffen, um sie in eine umweltfreundliche Zukunft zu führen.

Die derzeitige Debatte zum Klimaschutz wird im Bereich der Wirtschaft dominiert von den Risiken des Wandels und der hohen Kosten. Die Chancen, die sich für Unternehmen und auch den Standort Deutschland ergeben, werden kaum thematisiert. Da wird das Drohszenario des Verlusts von Arbeitsplätzen und steigender Energiekosten aufgebaut. Nicht erwähnt wird, dass im Bereich der erneuerbaren Energien bereits mehr als 300.000 neue Arbeitsplätze entstanden sind. Der Einsatz von regenerativen Energiequellen bringt oft erhebliche Kostensenkungen. Nicht von ungefähr möchte die Firma Bosch in den kommenden Jahren Milliarden investieren, um die eigene Produktion klimaneutral zu gestalten.

Der LSWB ist bereits im Jahr 2012 der Bayerischen Klima-Allianz (Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz) beigetreten und hat 2016 die Initiative Nachhaltige Steuerkanzlei ins Leben gerufen. Mehr als 100 Kanzleien haben ein Umweltmanagement in ihren Kanzleien eingeführt. Das heißt nicht, dass Steuerberater per se besonders umweltbewusste Menschen wären. Auch Steuerberater fahren gerne große Autos, fliegen in den Urlaub, essen Fleisch. Hier ist sicher noch Handlungsbedarf. Aber eines können Steuerberater: Rechnen. Sie wissen, dass sich der schonende Umgang mit Ressourcen finanziell lohnt.

Weniger ist häufig mehr

Energiesparende Beleuchtung, Reduktion des Papierverbrauchs, weniger Dienstreisen, Einsatz neuer Techniken im Bürogebäude, all das wirkt sich nicht nur positiv auf die Umwelt aus, sondern auch auf die eigenen Kosten und damit auf den Gewinn. Steuerberater stehen ihren Mandanten in diesen Fragen schon lange beratend zur Seite, beispielsweise bei der Installation einer Photovoltaikanlage oder eines Blockheizkraftwerkes.

Oft reicht es auch schon, Dinge einfach wegzulassen: sinnloser Ausdruck von Dokumenten, Heizen an Wochenenden und Feiertagen etc. Auch hier hilft ein Blick eines unabhängigen Außenstehenden. Der LSWB-Umweltbeauftragte Dieter Pfab weiß: „Ökonomie und Ökologie schließen sich längst nicht mehr aus – im Gegenteil. In vielen Bereichen in Unternehmen ist es eher ökonomisch schädlich, nicht ökologisch zu handeln. Investitionen beleben die Wirtschaft. Gerade ein Hochtechnologieland mit starken mittelständischen Unternehmen kann hiervon profitieren.“

Wie ein Bauleiter die einzelnen Gewerke bei Errichtung eines Bauwerks koordiniert, unterstützt der Steuerberater seine KMU-Mandanten auf dem Weg zur nachhaltigen Betriebsführung. Denn der Steuerberater ist der einzige Berufsstand, der eine langfristige Beziehung zu den KMU hat, permanent über alle Unternehmensdaten verfügt und deshalb über alle Faktoren eines Unternehmens informiert ist. Damit ist er prädestiniert, Unternehmen aufzuzeigen, welches Potenzial eine nachhaltige und ressourcenschonende Betriebsführung sowohl ökonomisch als auch ökologisch bietet. Zum Vorteil aller, denn es rechnet sich!

Jahresabschlussveranstaltung: Bilanz gezogen

Wichtig für eine nachhaltige Beratung der annähernd 580.000 kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) in Bayern ist der kooperative Ansatz, bei dem ein Netzwerk von Partnern der Bayerischen Klima-Allianz und weiterer interessierter Berufsgruppen und Verbände zum Thema Nachhaltigkeit geschaffen wurde.

Die Beteiligten der LSWB-Initiative Nachhaltige Steuerkanzlei trafen sich auf der Jahresabschlussveranstaltung am 7. November 2019 in München und zogen Bilanz. Dieter Pfab machte den Auftakt mit dem Thema „Kommunikationsstrategie für nachhaltige Kanzleien“. Schließlich ist genau das heute ein entscheidender Baustein für die erfolgreiche Unternehmensführung. Das hat auch der LSWB erkannt. Mit der Initiative Nachhaltige Steuerkanzlei stellt der Verband Mitgliedern ein Tool und ein Netzwerk aus Beraterkollegen zur Verfügung mit dem Ziel, den Bekanntheitsgrad der Initiative bei den Mitgliedern zu stärken. Für die Kommunikationsstrategie sind folgende Fragen relevant: Wie kann der Mehrwert des Netzwerks den Mitgliedern aktiv vermittelt werden und wie profitieren die nachhaltigen Kanzleien vom Know-how der Partner der Bayerischen Klima-Allianz? Wie können die Kanäle der Allianzpartner genutzt werden, um die Erfolge einer größeren Öffentlichkeit nahezubringen? Antworten auf diese Fragen lieferte Pfab mit dem Vorstellen der ersten Entwicklungsschritte hin zu einer neuen Kommunikationsstrategie im Rahmen eines Hochschulprojekts mit der Hochschule Macromedia, University of Applied Sciences am Standort München.

Der zweite Vortrag hatte das Schwerpunkthema „Resilience im stressigen Arbeitsalltag von Steuerkanzleien und KMUs“ mit dem Referenten Prof. Martin Halle, Leiter des Instituts für Sportmedizin und Sportkardiologie der TU München. Prof. Halle erläuterte in seinem Impulsvortrag eindrücklich, welche Stressfaktoren auftreten können, und demonstrierte praxisnahe Lösungsansätze für mehr Resilienz und Mitarbeitergesundheit für Kanzlei-Inhaber und Mitarbeiter.

Abgerundet wurde der Vortragsteil durch einen Workshop zu nachhaltiger Kanzleiführung, Employer Branding und Employer Journey. Die Start-Ups Newhabit und NewGenS erläuterten in ihrem Vortrag, welche Möglichkeiten gerade kleine Kanzleien haben, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, neue Mitarbeiter zu gewinnen und langfristig an die Kanzlei zu binden.

Als Resümee der Veranstaltung lässt sich festhalten, dass die anwesenden Kollegen die interdisziplinärere Zusammenarbeit und den gegenseitigen Erfahrungsaustausch im Bereich der Kanzleiorganisation und nachhaltigen Kanzleiführung intensivieren möchten. Ein Wunsch, dem die Initiative Nachhaltige Steuerkanzlei gerne im nächsten Jahr verstärkt nachkommt.

Information und Kontakt

Qualitätsverbund umweltbewusster Betriebe (QuB): Seit Oktober 2014 ist der LSWB Mitglied im „Qualitätsverbund umweltbewusster Betriebe”. Der QuB ist ein integriertes Zertifizierungssystem für kleine Unternehmen aus Handwerk, Industrie und Handel und Dienstleistungen, welches grundlegende und branchenbezogene inhaltliche Anforderungen an ein Qualitäts- und Umweltmanagementsystem umfasst, jedoch reduzierte Anforderungen, etwa bei der Vorhaltung eines Qualitäts- und Umwelthandbuches, stellt. Schwerpunktthemen beim QuB sind unter anderem Ressourcenschonung, Rechtssicherheit und Qualitätsmanagement.

Die AUGE ist eine gemeinnützige Bildungsakademie und Kooperationspartner der Initiative Nachhaltige Steuerkanzlei mit Sitz in Pfaffenhofen a. d. Ilm. Zu ihren Leistungen gehört ein umfangreiches Schulungsangebot rund um Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Kanzlei- bzw. Unternehmensführung. Als Mitglied des QuB und des Umweltpakts Bayern initiiert, konzipiert und unterstützt die AUGE Schulungskonzepte und Nachhaltigkeitsprojekte in ganz Bayern mit Schwerpunkt Einführung Nachhaltigkeits-Managementsysteme für Verbände, Steuerkanzleien und deren Mandanten.

Ihre Ansprechpartner:

Dieter Pfab
Umweltbeauftragter des LSWB
Tel.: 08441 807522
E-Mail: pfab@pfab-stb.de

AUGE – Bayerische Akademie für Umwelt,
Gesundheit und nachhaltige Entwicklung
Tel.: 08441 807520
E-Mail: info@augebayern.de

Weitere Informationen zur Initiative Nachhaltige Steuerkanzlei finden Sie unter: nachhaltige-kanzlei.bayern

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